Gedanken zum menschlichen Handeln #13 Cialdini: Commitment und Konsistenz

Nach etwas längerer Abstinez vom Schreiben folgt nun ein weiterer wichtiger Baustein der menschlichen Interaktion zumindest laut dem Buch von Cialdini. Im Speziellen komme ich wegen einem Beitrag einer Bloggerin darauf. Sie hatte ein erstes Date, welches nach meinem Verständnis so lala lief. Der Typ war hinterher unterschwellig anbiedernd und mittelschwer unterwürfig in der Kommunikation. Das zweite Date lief wie von ihr vermutlich unterbewusst längst vermutet – schlecht. Warum führt man das zweite Date durch, wenn man bereits davor ein schlechtes Gefühl hat? Die Antwort ist Commitment und Konsistenz.

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Erlebendes Ich versus Erinnerndes Ich

Meine aktuelle Auslastung verhindert leider mehr Blogbeiträge. Es ist noch soviel offen, was zu schreiben wäre. Außerdem muss die Story noch weitergesponnen werden. Aber aus aktuellem Anlass möchte ich einen kurzen Beitrag über das „Erinnernde Ich“ und das „Erlebende Ich“ bringen.

Wenn ein Date anscheinend super läuft, warum meldet sich die andere Person am nächsten Tag/Woche nicht mehr? Die Firmenfeier läuft super, alle schlagen ein wenig über die Stränge. Am nächsten Tag sind alle etwas peinlich berührt. Warum? Ein schöner Film der traurig ausgeht vs. ein Film, der die ganze Zeit über schlechte Inhalte widerspiegelt aber ein Happy End hat. Warum wird letzterer besser bewertet?

Die Antwort kann man in dem Interview vom Spiegel mit dem Psychologen Daniel Kahneman nachlesen. Meine kurze Zusammenfassung:

Das „Erlebende Ich“ nimmt rund um die Uhr permanent Eindrücke auf. Schöne Eindrücke genießt es, schlechte Eindrücke lehnt es ab. Wenn ein Eindruck, Erlebnis oder Episode vorbei ist, dann ist sie vorbei und die nächste Episode beginnt.

Das „Erinnernde Ich“ bewertet die Episode. Es bewertet aber nur den Höhepunkt (z.B. einen Kuss), den Tiefpunkt (ein heftiger Streit) und den Endmoment, sprich der Empfindung kurz vor Abschluss der Episode. Es bewertet nicht die Dauer einer Empfindung.  Beim Dating sollte also gut beachtet werden echte Highlights einzubauen, keine Tiefpunkte – also nervige Diskussionen etc. – zuzulassen, egal wieviel Zeit man hat, sowas wieder auszugleichen. Und natürlich sollte das Ende nochmal richtig gut sein.

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Gedanken zum menschlichen Handeln #12 Cialdini: Reziprozität Teil 2

Wie im vorherigen Beitrag erwähnt, dient die Reziprozitätsregel dazu, ausgeglichene Verhältnisse herzustellen. Allerdings kann sie auch dafür sorgen, ausgesprochen ungleiche Verhältnisse oder Ergebnisse herzustellen.

„…woher kommt es, dass kleine erste Gefälligkeiten oft unverhältnismäßig größere Gegenleistungen nach sich ziehen? Ein wichtiger Grund besteht darin, dass es so unangenehm ist, sich jemanden verpflichtet zu fühlen.“ In dem Zusammenhang möchte ich nochmals auf meine gestrige Eingangsmotivation zu dem Beitrag eingehen. Cialdini: „Frauen berichten häufig von dem unangenehmen Gefühl, zu einer Gegenleistung verpflichtet zu sein, wenn ein Mann ihnen teure Geschenke macht oder bei einem Rendezvous eine hohe Lokalrechnung begleicht.“ Er belegt das im Buch dann im Folgenden mit Studien und Beispiel, bei denen Frauen beschreiben, sich zu einer sexuellen Gegenleistung verpflichtet zu fühlen.

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Gedanken zum menschlichen Handeln #12 Cialdini: Reziprozität Teil 1

Neulich auf einem Blog beschrieb eine Bloggerin, wie sie mit einem Date die Nacht verbracht hat. Laut ihrer Beschreibung war es kein allzu schönes Erlebnis. Ich frag mich die ganze Zeit, ob es überhaupt nur dazu gekommen ist, weil sie ungefragt der Reziprozitätsregel unterworfen worden ist. Wie in #11 beziehe ich mich mit Zitaten und Ausführungen auf das Buch „Die Psychologie des Überzeugens“ von Cialdini: Weiterlesen „Gedanken zum menschlichen Handeln #12 Cialdini: Reziprozität Teil 1“

Die Jagd nach dem Glück: zum Interview mit Hans-Otto Thomashoff auf Weltonline

Claudia Becker führte auf Welt-Online ein Interview mit dem Psychiater, Psychoanalytiker und Psychotherapeut und Autor des Buches „Das gelungene Ich“ Hans-Otto Thomashoff durch. Die Basisfrage lautet, warum trotz hohem Einkommen und guter medizinischer Versorgung das subjektive Glücksgefühl oft niedrig ist und der Stress hoch. Ich empfehle, es zu lesen.

Aus Sicht der Hirnforschung sind laut ihm Glück und Zufriedenheit Gefühlszustände, die das Gehirn herstellt. Thomashoff erläutert, dass es zwei Belohnungssysteme im Gehirn gibt; eines was schnell wirkt und zu Handlungen antreibt und eines welches langsam wirkt und für Erfolg belohnt. Hinzu kommt ein Bindungssystem, welches den Gegenpol zum Stress bietet. Schnelles Glück entsteht im ersten System und Zufriedenheit in den beiden Letztgenannten.

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Eastcoast #12

Es ist schön, mit dir hier zu stehen. sagte sie. Sie standen beide auf der Straße zwischen dem Haus ihrer Mutter und dem seiner Tante. Bist du nächste Woche in der Nähe? Ihre Stimme klang wieder etwas heiser, als sie fragte.

Das würde ich gern machen. Gleiche Zeit und gleicher Ort wie gestern? Adam war schon etwas mulmig zumute. Gestern der erste Kuss und heute Abschied nehmen. Dazwischen dieses Gefühlschaos bei ihm.

Es wird mir ganz schön schwer fallen über die Woche nicht an dich zu denken. flüsterte sie. Wären Sie hier bloß nie hier aufgetaucht Mr. Johnston. Es klang nicht vorwurfsvoll sondern verspielt. Sie lehnte wieder an ihm und seufzte.

Wie wäre es, wenn du mich morgen früh nach Port Jefferson bringst? Wir könnten noch einen Kaffee am Fährhafen trinken.

Und dann steigst du in das Schiff ein und ich winke dir von draußen zu, richtig? Oh nein Mr. Johnston, das wird nicht passieren. Sie stieß ihn gekünstelt weg und zeigte ein herausforderndes Lächeln und gleichzeitig eine böse zusammengezogene Stirn. Ihr Mund stand dabei halb offen und ihre Zunge spielte mit ihren Schneidezähnen.

Doch, so ähnlich hatte ich es mir vorgestellt. Ich will auf jeden Fall nochmal dein verheultes Gesicht sehen! spaßte Adam zurück.

Oh Gott, das ist so fies von dir. Du kannst also auch eklig sein, du ….du….Ihr fehlten die Worte für so viel frecher Unverschämtheit. Es war natürlich Spaß, aber er hatte ihr die volle Breitseite zurück gegeben. Dafür musste sie ihm eigentlich direkt wieder Kontra geben, aber wie ? Sie boxte ihm mit ihrer linken Faust leicht auf den Brustkorb und traf sogar. Er zuckte im Lachen leicht zusammen.

Okay Frau Melinek, jetzt haben Sie eine Grenze überschritten. Das werden Sie bereuen. Er griff ihre Hand und zog sie zu sich zurück. Mit der rechten Hand umklammerte er ihren Körper von hinten und kitzelte sie. Als erstes muss ich Sie davor warnen, mich weiter „Mr.Johnston“ zu nennen. Das ist einfach zu sexy. Das verursacht Risiken und Nebenwirkungen, die sie nicht kontrollieren können.

Sie schrie leicht auf, als er sie griff aber es fühlte sich unglaublich gut für sie an. Hör auf, hör auf! Ich bin wirklich kitzlich! Sein Griff war wirklich heftig und sie spürte jeden Muskel an seinem durchtrainiertem Körper. Sie drehte sich in seinen Armen zu ihm um und biss in sein Kinn. Während sie den Biss noch aufrecht erhielt, sprach sie halbwegs unverständlich aber trotzig weiter. Und ich werde dich weiter so nennen! Dann befreite sie sich blitzschnell von seinem Griff und entließ ihn von ihrem Biss bevor sie ihn wieder leicht auf die Rippen boxte.

Es war ein echt schmerzhafter Biss für Adam gewesen. Aber das Spiel mit ihr hatte ihm viel Spaß gemacht.

Im Ernst, ich kann nicht mit dir zum Hafen. Ich bleibe hier und werde mit der Familie zusammen Frühstück essen. Sie klang jetzt wieder sanft und machte ein bedauerndes Gesicht. Ich hoffe, das akzeptierst du!

Selbstverständlich. Frieden?

Frieden! Dann hören wir voneinander? Krista stand wieder dicht an Adam herangerückt und küsste ihn zum Abschied.

Werden wir. Adam lief langsam nach hinten und winkte ihr auf die Distanz von 3 Metern nochmal zu. Sie winkte auch und lächelte zurück.

*

Tante Kathelyn stand im Flur als er die Tür öffnete. Es war nur zu klar, dass sie mitbekommen hatte, was draußen auf der Straße passiert war. Er sah sie wortlos an. Sie sah ihn wortlos an. Dadurch entstand eine Pause von ein paar Sekunden. Er presste die Lippen zusammen und zeigte ein gequältes Lächeln halb schuldbewusst halb spitzbübisch. Sie lächelte auch, machte einen kleinen Seufzer und schüttelte den Kopf dabei leicht. Oh Adam!

Wieso hast du gestern nichts gesagt, Tante Kathelyn?

Du hast ja auch nichts gesagt, Adam. Ich sehe sie natürlich öfters auf der Wiese spielen mit ihrer Tochter. Aber du hast ja auch nichts gesagt. Das „du“ zog sie dabei etwas und betonte es.

Ihre Worte klangen genau so, als ob sie schon länger ahnte, dass zwischen ihm und Krista was lief. Seine Tante war sehr clever, das musste er zugeben.

 

 

 

 

Gedanken zum menschlichen Handeln #11 Cialdini: Psychologie des Überzeugens

Ich beginne mit der Aufarbeitung eines Buches, welches kontrovers diskutiert wird, aber welches ungemein aufschlussreich erläutert, wie Menschen andere Menschen – gewollt oder nicht – beeinflussen. Robert B. Cialdini’s Buch ist ein Weltbestseller und hat von 107 Amazonrezensenten 77%  5 Sterne und 11 % 4 Sterne erhalten. Wer schon immer wissen wollte, warum man eine Person sympathisch findet, eine andere Person jedoch nicht, der findet die Antwort in diesem Buch. Natürlich basiert alles menschliche Handeln wie schon in Gedanken zum menschlichen Handeln #1 dargestellt auf der Interaktion verschiedener Hirnareale, die bewusstes und unbewusstes Verhalten auslösen.

Ganz grob aus #1 zusammengefasst, Menschen werden hauptsächlich unterbewusst gesteuert; das Bewusstsein interpretiert oft nur die bereits unterbewusst motivierte Handlung und stellt eine Art Fiktion des „Wollens“ her, sodass der Mensch eine „Begründung“ für sein Handeln wahrnimmt. Man glaubt zu wollen, was unterbewusst längst aus anderen Motiven „beschlossen“ wurde, sozusagen. Die im vorgeburtlichen und kleinkindlichen Stadium festgelegten festen „Verdrahtungen“ welche einen relativ vorgegebenen Ablauf auf bestimmte Inputs abarbeiten, bestehen ein Leben lang und sind, falls wir sie überhaupt Erkennen nur schwer abzutrainieren. Die meisten Menschen glauben, sie brauchen nur anders Handeln zu wollen damit sie auch tatsächlich anders handeln. Aber das ist ein Irrtum. Um anders zu handeln als prägend vorgegeben, muss man seinen Geist trainieren, so wie man auch seinen Körper sportlich trainiert. Am besten erkennt man es z.B. an der Schwierigkeit seine Ernährung zu steuern.

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